4. Mäzenatentum des Kronprinzenpaares

"'Kunst ohne Gunst bleibt umsunst' - so lautet ein altes Wahrwort, das zu allen Zeiten und bei allen Völkern seine Geltung behalten und in Künstlerkreisen immer das Motto bleiben wird. Keine Kunst kann ohne Mäcenatenthum bestehen, immer werden Mediceer nöthig sein, um Kunstinteressen zu fördern. Die Mediceer für das Berlin, bzw. das deutsche Kunstgewerbe waren der Kronprinz Friedrich Wilhelm und seine Gemahlin Victoria."[72]
Victoria und Friedrich Wilhelm warteten viele Jahre auf einen Regierungswechsel, der sie an die Macht gebracht hätte. Während ihrer Zeit als Kronprinzenpaar wurde ihnen von dem Herrscher jegliches politische Mitspracherecht abgesprochen, da sich die politischen Ansichten zu sehr voneinander unterschieden. Dennoch versuchten sie, die Zeit sinnvoll zu nutzen und engagierten sich im Bereich der Kunst und der Wissenschaften für eine Verbesserung der Situation. Ob Victoria all diesen Aktivitäten nur aufgrund politischer Machtlosigkeit nachging und dadurch die Frustrationen, die sie am preußischen Hof erlitt, in diesen "philantropischen Ersatzbefriedigungen"[73] kompensierte oder ob ihr Interesse tatsächlich der Kunst, den Frauen und der Wissenschaft gegolten hat, möchte ich hier versuchen zu klären. "Ihr weitgespannter Interessenkreis umfaßte die verschiedenartigsten Gebiete: Politik, Philosophie, Kunst und Kunstgewerbe, soziale Fragen, Frauenbildung, karitative Bestrebungen, Gartenkunst und vieles andere mehr."[74]
Um die Frage beantworten zu können, ob die Kronprinzessin als Mäzenin bezeichnet werden kann, ist vorab zu klären, wie das Mäzenatentum in Berlin zu diesem Zeitpunkt aussah und inwiefern es einem Wandel unterworfen war.
Unterkapitel
4.1 Mäzenatentum im Wandel vom 18. zum 19. Jahrhundert
4.2 Stand des Berliner Mäzenatentums im 19. Jahrhundert
4.3 Mäzenatentum im Bereich der Bildenden Kunst
4.3a Exkurs: Victoria als Künstlerin
4.4 Kronprinz Friedrich Wilhelm als Protektor der Schönen Künste und der Königlichen Museen
4.5 Wilhelm von Bode und das Kronprinzenpaar
4.6 Kunstgewerbe

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