Théodore Rousseau

   
*15. 4. 1812 in Paris, +22. 12. 1867 in Barbizon; französischer Maler, einer der Hauptvertreter der Schule von Barbizon, nahm sich die Niederländer Jacob van Ruisdael und Meindert Hobbema, aber auch die englischen Landschaftsmaler wie Richard Parkes Bonington und John Constable als Vorbilder. Er bereiste 1830 zu Studienzwecken die Auvergne und die Normandie und malte 1832-33 erstmals im Wald von Fontainebleau. Sein Ziel war, die typischen Eigenschaften einer bestimmten Landschaft bis in ihre geologischen Verhältnisse hinein genau zu erfassen, unter besonderer Berücksichtigung der Lichtverhältnisse zu den verschiedenen Tages- und Jahreszeiten. 1837 reiste er in die Vendée, wo zwei seiner bedeutendsten Bilder entstanden: Das Tal von Tiffange (1837-44, Cincinnati, Art Museum) und Die Kastanienallee (1837, Paris, Musée National du Louvre). Sie enthüllen die pantheistische Naturauffassung Rousseaus und seinen pathetischen Ernst, der in der Wahl von schweren, dunklen Braun- und Rottönen hervortritt. Seine Landschaften sind menschenleer, auf schwermütige Weise einsam und zeigen eine fast visionär zu nennende Schau der Natur mit phantastisch gebogenen Ästen und irreal schillernden Baumrinden und Sümpfen.
Bei aller Genauigkeit der Beobachtung wirken diese Bilder wie flüchtige Impressionen (Gewitterstimmung in der Ebene von Montmartre, um 1845-48, Paris, Musée National du Louvre) und wurden deshalb von den Zeitgenossen als unfertige Skizzen abgetan und lange Zeit nicht anerkannt. Erst 1845 wurde Rousseau die gebührende Anerkennung als einem der ersten Freilichtmaler entgegengebracht
Literatur
  • J. Bailey Herzberg, L'école de Barbizon, Rousseau, Daubigny et "petit maîtres", in: Connaissance des arts, 293, 1976, S. 75-82.
  • M. Melot, L'oeuvre gravé de Boudin, Corot, Daubigny, Dupré, Jongkind, Millet, T. Rousseau, Paris 1978.
  • Ausstellungskatalog: T. Rousseau, 1867 Musée National du Louvre, Paris, 1967.
 

Quelle: Lexikon der Kunst in zwöf Bänden, Karl Müller Verlag, 1994

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