Charles-François Daubigny

   
Landschaft, 1853
*15. 2. 1817 in Paris, +19. 2. 1878 in Paris; französischer Maler und Radierer, einer der Wegbereiter der realistisch-intimen Landschaftsmalerei, Sohn des Landschaftsmalers Edme-François Daubigny aus der Schule Victor Bertins, bei dem er zunächst lernte. Ab 1838 stellte er regelmäßig im Pariser Salon aus, hatte aber erst 1848 Erfolg mit einer Serie von fünf Landschaftsporträts aus Morvan. Diese Bilder gehören zu den ersten Werken der Freilichtmalerei. Daubigny hatte ab 1843 Kontakt zur Schule von Barbizon, ohne sich ihr enger anzuschließen. 1852 traf er Jean-Baptiste Camille Corot in Cremien (Dauphine), mit dem er in die Schweiz und durch ganz Frankreich reiste und mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Er hatte Erfolg mit Landschaftsdarstellungen, bei denen die Konturen leicht verwischt über einer festen Komposition stehen und mit zarten Farben Lichtreflexe eingefangen werden.
Der Staat kaufte 1853 sein Bild La Moisson (1852, Paris, Musée National du Louvre). Seine Bilder La Vanne und Le petit vallon d'Optevoz (1853, Rouen, Musée des Beaux-Arts; Replik in Paris, Musée National du Louvre) fanden ebenfalls großen Anklang. 1857 verwandelte er in Auvers-sur-Oise das Boot "Le Botin" in ein schwimmendes Atelier und befuhr damit die Seine und die Oise. Zu dieser Zeit löste sich seine Malerei thematisch ganz vom Anekdotischen. 1865 verbrachte er den Sommer zusammen mit Gustave Courbet, Eugène Boudin und dem jungen Claude Monet in Trouville. Von da an wurde seine Malerei leichter und freier, die Formen fingen an, sich in farbige Harmonien aufzulösen, wesentliche Momente des Impressionismus waren dadurch vorweggenommen (Boote der Oise, 1865, Paris, Musée National du Louvre; Haus der Mutter Bazot in Valmondois, 1874, Den Haag, Museum Mesdag). Trotz Wiederholungen gehört Daubignys Malerei durch ihre Unmittelbarkeit zum Besten, was in der Umgebung Jean-Baptiste Camille Corots entstanden ist. Daubignys Sohn Charles-Pierre (1846- 1886) war ebenfalls Landschaftsmaler.
Literatur
  • Eigene Schrift: C.-F. Daubigny, E. Roreau-Nélaton (Hg), Daubigny raconté par lui-même, Paris 1925.
  • J. Bouret, L'École de Barbizon et le paysage français au 19e siècle, Neuchâtel 1972.
  • M. Fidell-Beaufort u. J. Bailly-Herzberg, Daubigny (mit Briefen des Künstlers und ausführlicher Bibliografie), Paris 1975.
  • R. Hellebranth, C.-F. Daubigny 1817-78, Morges 1976.
  • Ausstellungskatalog: Camille Pissarro, C.-F. Daubigny, Ludovic Piette, Musée d' Art, Pontoise, 1978.
 

Quelle: Lexikon der Kunst in zwöf Bänden, Karl Müller Verlag, 1994

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