Adolph Schreyer

  (geboren 1828 in Frankfurt a.M.)
 
Treten wir in das Atelier dieses Künstlers, So sind wir überrascht von den mannichfaltigen Compositionen, die uns dort entgegenschauen. Türken im Lager, Baschi-Boschuks (Freischärler), die über die Steppe ziehen, türkische Spielscenen, Zusammenkunft türkischen Volkes an den Süßwasserquellen bei Eyoub, magyarische Bauern, die mit schweren Karren über den nassen, schwammigten Boden ziehen, serbische Kaufleute mit ihrem Waarentrain, Reiterscenen aus dem deutschen Kriegsleben sprechen eben so vom rastlosen Schaffen des Künstlers, als von seiner phantasiereichen Begabung. Schreyer hat sich rasch einen Namen erworben, der selbst in Städten wie Wien und Berlin nicht nur bekannt, sondern von trefflichem Klange ist. Er verdankt dies seinem eigenthümlichen, aus sich selbst heraus entwickelten Talente. Seine erste Bildung erhielt Schreyer in seiner Vaterstadt. Der zeitweise Aufenthalt in München, Stuttgart, Düssetdorf und Paris, die Eindrücke der Maler Peter Heß, Raffet, Horace Vernet und anderer Größen, von denen er Manches gelernt, halfen dazu, in ihm die Anregungen zu seinem großen Streben wachzurufen. Am vortheilhaftesten für seine Richtung aber wirkte das unmittelbare Anschauen des beweglichen Lebens auf dem Schauplätze des orientalischen Krieges. Der Charakter jener fernen Gegenden, das lebhafte Treiben, das der damalige Zustand hervorrief, wurden bei ihm zu Quellen großer Entwürfe und zahlreicher trefflicher Bilder. Leben und Bewegung in der Handlung kennzeichnen seine Compositionen; sie sind nicht zusammengedrängt in wenigen Gruppen oder Personen, die in dem Bilde eine Rolle spielen oder demselben Bedeutung geben, sondern jede Person, jeder Gegenstand hat an und für sich einen eignen Werth, ohne daß dadurch einer durchgreifenden Einheit geschadet würde. In seinen Schlachten entwickelt sich vor unsern Augen scheinbar eine ganze Heermasse, die mit der vollen Wucht, deren sie fähig, das Schlachtfeld beherrscht. Gedenken wir des Bildes der Schlacht von Komorn, wo die Reiterschaaren eine lange Linie bilden, die doch an jedem einzelnen Punkte dramatische Handlung ausspricht, gedenken wir des Husarenangriffs oder seines letzten großen Bildes die Schlacht bei Waghäusel und die Verwundung des Prinzen von Preußen darstellend, in allen ergreift uns die lebendige Composition. Selbst das Bild der Verwundung des Fürsten Emmerich von Thurn und Taxis bei Temeswar, das weniger in diesem Sinne gemalt ist und mehr ein Portrait darstellen soll, entspricht obiger Anschauung und ermangelt weder der lebendigen Situation des Prinzen selbst, noch des Bildes eines großen tosenden Kampfes. Schreyers Technik ist außerordentlich und er versteht es mit kecken Pinselstrichen Ausdruck und Charakter zu zeichnen, wie er auch in dem Colorit Wärme und Feinheit zu erzielen vermag. Von anderen kleineren Bildern des Künstlers erwähnen wir noch: "Scenen aus dem türkischen Lager von Braila" und die "wallachische Post im Schnee", welches letztere Bild sich im Besitz des Kaisers von Oesterreich befindet.


Franz Rittweger: Wanderung durch die Werkstätten in Frankfurt wirkender Künstler. Frankfurter Museum, 4. Jg. 1858, S. 933f

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