Jacob F. Dielmann

  (geboren 1809 in Frankfurt a.M.).
 
Die Lebensumstände dieses Künstlers, so weit Sie sich auf die Entwickelung seiner künstlerischen Laufbahn beziehen, fallen ziemlich mit denen des vorhergenannten Malers Becker zusammen. Dielmanns erste Studien auf dem Felde der Kunst geschahen in jener Zeit, wo eine Zeichnenschule alles war, was einem jungen Talente Mittel zur Ausbildung in Frankfurt bieten konnte, wenn man die wenigen Maler, die damals hier lebten, unter andern auch Prestel, welcher zeitweise ihn unterrichtete, nicht als ausübende Lehrer betrachten will; selbst die Kunstschätze, welche die Stadt allenfaIls bieten konnte, bevor das Städelsche Institut eröffnet war, waren mehr oder weniger unzugänglich, da sie in Privathänden sich befanden. Unter diesen Umständen mußte es Dielmann schwer fallen, sich den Weg zur Kunst anzubahnen, und auch bei ihm war es der schon oben angeführte Lithograph Vogel, welcher ihn nicht allein anregte, sondern auch beschäftigt. Später wurde ihm durch die Vermittlung Veit's und Wendelstädt's ein Stipendium zugesichert, womit er in seinem 25sten Jahre die Düsseldorfer Schule besuchte. Hier erlernte er eigentlich erst die Malerei und schwang sich bald, gehoben durch die an= regende Gesellschaft seiner Freunde J. Becker, Lessing, Pose, Achenbach, Bendemann in die erste Reihe der Künstler, welche in der Richtung der neuern Genremalerei sich einen Namen erwarben. Im Jahre 1842 kehrte er wieder in seine Vaterstadt zurück, in welcher er seitdem sich bleibend aufhielt.
Seine hauptsächlichsten Bilder, welche ihn populär machten, sind: die hessische Dorfschmiede, das hessische Bauernmädchen, die Großmutter und ihre Enkel, der Pfarrherr mit den Kindern, Kinder vor der Kirchthüre etc. etc. Dieselben verbreiteten sich theilweise in zahllosen Copien und machten den Namen des Künstlers überall bekannt. In letzterer Zeit wich Dielmann mehr von der Richtung der eigentlichen Genremalerei ab und beschäftigte sich mit der Wiedergabe von Lokalitäten mit Figuren. Selten finden wir wohl einen Mann mit einer feineren Auffassungsgabe begabt. Seine Bilder, oft wenigsagende Gegenstände darstellend, werden mit dem feinen Sinne, mit dem sie der Künstler behandelt, bedeutend und ungemein ansprechend und beweisen die Meisterschaft, ebenso in Beziehung des Colorits als der Technik, wohlthuend und erhebend, wie es die Kunst soll, wirken sie auf den Beschauer und lassen uns die Poesie der Natur und des friedlichen Lebens selbst in dem kleinsten Raume und der anspruchslosesten Gestaltung erkennen. Als Aquarellmaler steht Dielmann in der Reihe der ersten Künstler.


Franz Rittweger: Wanderung durch die Werkstätten in Frankfurt wirkender Künstler. Frankfurter Museum, 4. Jg. 1858, S. 933f

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