Jacob Becker

  (geboren 1810 in Dittesheim bei Worms).
 
In Worms, wohin seine Eltern bald nach seiner Geburt übergesiedelt waren, erhielt Jacob Becker seinen ersten Unterricht. In seinem achten Jahre kam er zu dem dortigen Maler Jung in die Zeichnenschule, wo er bis zu seinem fünfzehnten Jahre weilte und bei Gelegenheit kleiner Reisen seines Lehrers öfters den Unterricht selbst übernehmen mußte. Schon hier übte er sich heimlicher Weise im Malen. Der schlummernde Keim sollte erst zum Leben geweckt werden, und sein erster Aufenthalt in Frankfurt sowie sein Bekanntwerden mit dem Lithographen Vogel halfen ihm, sich ganz der Kunst widmen zu können. Vogel unternahm es damals, Ansichten vom Rheine lithographisch herauszugeben, und ließ dieselben von Becker und Dielmann nach der Natur zeichnen. Becker lithographirte auch viele selbst. Nun waren ihm Mittel geboten, sich nach Düsseldorf, dessen Schule neben der von München den besten Klang hatte, zu wenden. Im Jahre 1833 ging er dahin. Im Anfang verfolgte er noch nicht die später eingeschlagene und seinen Namen berühmt machende Richtung. Wilhelm von Schadow war Direktor der Kunstschule und Lessing war der aufgehende Stern, der den höchsten Glanz versprach, und auf welchen man mit den größten Hoffnungen blickte. Becker, welcher sich unter Schirmers Leitung der LandschaftsmaIerei zugewandt hatte, schlug bald in das historische Feld über und malte erst alttestamentarische Compositionen aus dem Leben des Tobias, dann versuchte er sich mit der romantischen Malerei und schuf einen lautenspielenden Ritter etc. bis er die Genremalerei aufnahm und sich darin bald einen ausgezeichneten Ruf erwarb. Zu seinen ersten Bildern dieser Art gehören die Mährchenerzählerin, welches Bild sich in der Schloßgallerie in Hannover befindet, und das Kind mit dem Lamme. Im Jahre 1840 kam Becker zurück nach Frankfurt und übernahm die Stelle eines Lehrers der Genre= und Landschaftsmalerei im Städelschen Institute, in welcher Anstalt er seitdem segensreich wirkt. Als ausübender Künstler erwarb er sich immer wachsenderen Ruf, und schon im Jahre 1845 wurde ihm eine Professur an der Münchener Akademie angeboten, welche er indessen ablehnte. Beckers Bilder sind mit seltenen Ausnahmen ohne alle Prätension gemalt; das stille, friedliche Wirken des Landmannes, auch Volksscenen aus den bewegteren Zeiten, die indeß nie die Färbung einer historischen oder politischen Idee annehmen, ländliche Gestalten, die einen inneren Zustand charakterisiren, bilden die Motive seiner Schöpfungen. Seine Compositionen sind lebendig und edel in der Zeichnung; sie stellen gemalte Bruchstücke des Culturzustandes unseres Volkes dar, die in idealer Stimmung gehalten, nichts an Wahrheit verlieren. Seine Färbung ist lebhaft und geht bisweilen ins Brillante über.
Von seinen Bildern nennen wir noch: die Schmollenden (befindet sich in Bremen), der Liebesantrag, des Rekruten Abschied und des Rekruten Heimkehr, flüchtende Bauern, heimkehrende Schnitter, Heimkehr vom Kirchgang, betende Bauernfamilie, das brennende Dorf, Landleute auf dem Felde vom Gewitter überfallen der vom Blitze erschlagene Schäfer, im Besitze des Städelschen Instituts. Diese und viele andere zeugen von seiner großen Thätigkeit, mit der er die Stunden, die ihm sein Lehrgeschäft erübrigen läßt, ausfüllt.


Franz Rittweger: Wanderung durch die Werkstätten in Frankfurt wirkender Künstler. Frankfurter Museum, 4. Jg. 1858, S. 933f

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